Lifestyle | Writing Friday

Writing Friday: Geduckte Wesen

März 23, 2018

Hallo liebe Schreiberlinge,
zum heutigen Writing Friday habe ich mich für folgenden Beitrag entschieden:

Die Schreibthemen und alle Teilnehmer könnt ihr im Übrigen auf dem Blog von Elizzy finden und jederzeit selbst teilnehmen.

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Sieh sie dir an… Wie sie mich von oben herab betrachten. Oder hastig ihre Blicke abwenden, um ja nicht dabei ertappt zu werden, wie sie mich anstarren.
Doch ich kann sie sehen, die Missgunst in ihren Augen. Die Ablehnung und den Ekel. Und das Mitleid- unzählige male sah ich Mitleid in ihren Augen…
Doch wozu? Weil ich mich für ein Leben auf der Straße entschieden habe? Weil ich frei und glücklich bin?
Dabei sollten sie sich lieber selbst bemitleiden. Sie merken es gar nicht, doch ich kann es genau sehen. Sie huschen geduckt umher, erdrückt von der Last ihres Alltages. Ihre Blicke sind gehetzt, wie ein gejagtes Tier. Wenn sie an einer Ampel warten müssen, wippen sie mit den Füßen. Wenn sie am Telefon sind, diskutieren sie wie Wilde. Und wenn sie gemeinsam unterwegs sind, herrscht lebloses Schweigen. Und dann noch all die abschätzende Musterung, der sie sich permanent unterziehen. Ständig werden einander giftige Blicke zugeworfen und dann wird das Handy gezückt oder böse getuschelt.

Wieso also, diese mitleidigen Blicke? Ich mag zwar weder Haus noch Job haben, doch hier auf der Straße habe ich echte Freunde gefunden. Und zu mir selbst. Ich habe wahre Güte und Nächstenliebe erfahren, aber auch gelernt, den falschen Menschen aus dem Weg zu gehen. Natürlich gibt es auch schlechte Tage und nicht allen meinen Nachbarn hier geht es genauso gut wie mir. Doch heute, heute bin ich es, der mitleidig auf die Menschen vor mir blickt…

Weitere Stimmen:

  1. Guten Morgen!
    Ein richtig toller Beitrag der ins Schwarze trifft. Leider ist unsere Gesellschaft so geworden und viele vergessen worauf es wirklich noch ankommt! Besonders den Teil mit den wahren Freunden fand ich wichtig und schön <3
    Hab ein tolles Wochenende!

  2. Ich schließe mich den Meinungen vor mir an – ein sehr schöner Beitrag zu der Aufgabe, die Welt aus der Sicht eines Obdachlosen zu betrachten. Immerhin ist er sich treu geblieben, und das ist in unserer Zeit wirklich mehr, als man von den meisten Menschen sagen kann, die Haus und Job haben.
    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende!
    Ida

  3. Hallo 🙂

    Ich kann mich den Meinungen auch nur anschließen. Ein toll geschriebener und authentischer Text.
    Am Anfang dachte ich, dein Obdachloser hätte viel Zorn in sich wegen der Blicke. Mir gefällt, dass es dann eher Mitleid war 🙂

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Janika

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