Lifestyle | Writing Friday

Writing Friday: Mensch Maja!

März 16, 2018

Hallo liebe Schreiberlinge,
der März hat begonnen und damit gibt es bei der lieben Elizzy fünf neue und kreative Schreibthemen. Ihr könnt jederzeit selbst teilnehmen und außerdem findet ihr alle weiteren Teilnehmer auf Elizzy’s Blog.

  • Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte.
  • Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.
  • Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.
  • Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.
  • Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

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Natürlich hätte man schon längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte. Ihre Geschichte klang viel zu absurd, um wahr zu sein. Aber dennoch, eine selten gesehene Selbstsicherheit lag in ihrem Blick und sie strahlte so eine Stärke aus, dass ihre Eltern nun doch einen Moment irritiert waren.

„Du willst uns also allen Ernstes erzählen, dass dir ein Zebra vor das Auto gerannt ist? Ein Zebra?!“, ungläubig sah sie ihre Tochter an. Diese seufzte nur genervt und zuckte mit den Schultern, „Also das habe ich euch doch jetzt schon fünfmal erklärt. Ich wollte gerade zum Supermarkt fahren, als es auf die Straße rannte! Außerdem waren es genau genommen sogar zwei, aber das zweite blieb auf dem Gehweg. Offenbar war es um einiges schlauer, als das erste Tier.“ In ihrer Stimme lag ein wohl gewähltes Maß an Lässigkeit und sie verdrehte nur ganz kurz die Augen.

Ihr Vater warf einen Blick durch die Fensterscheibe hinaus auf den Vorplatz. Dort stand der Wagen, mit einer dicken Beule im Blech. „Und wo genau ist das Zebra dann hin verschwunden?“, wollte er nun misstrauisch wissen. Doch auch dafür hatte Maja sogleich eine Antwort parat. „Das hat sich nur kurz geschüttelt und ist wieder zu seinem Freund zurück gerannt. Dann sind beide ab in Richtung Feld.“
Er sah sie lange an, bevor er weiter sprach und langsam stahl sich eine Spur Genervtheit in seine Stimme. „Und du bist einfach weiter gefahren ohne Polizei oder sonst wen zu informieren?“ Aber auch darauf war Maja vorbereitet und zog schnell ihr Handy hervor. „Ganz genau, denn die Polizei war ja schon längst dort, um die Tiere einzufangen.“ Sie suchte einen Moment, bis sie einen entsprechenden Artikel einer Online-Zeitung fand. „Und euch beide wollte ich nicht bei der Arbeit stören. Also bin ich weiter zum Einkaufen gefahren und anschließend in die Stadt. Und als ihr nach Hause gekommen seid, habe ich euch direkt Bescheid gesagt oder nicht?“ Nun war ihr Moment gekommen, das wusste sie. Dramatisch sprang sie auf und spürte eine kunstvolle Träne in ihrem Augenwinkel. „Mir darf doch auch einmal ein Fehler passieren und dabei habe ich nicht mal Schuld daran. Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht! Aber ist ja auch egal, ich kann es euch sowieso nie recht machen…“ An den schuldbewusstem Blick ihrer Mutter wusste sie, dass sie diese Schlacht gewonnen hatte. Und auch aus dem Gesicht ihres Vaters wich nun die Skepsis, als er sich den Artikel auf ihrem Handy durchlas. Daher drehte sie sich schwungvoll um und stapfte mit lauten Schritten die Treppe nach oben.

Dabei konnte sie ein siegessicheres Lächeln nicht verbergen und als sie oben ihre Zimmertür zugeworfen hatte, tanzte sie einen lautlosen Freudentanz. Sie konnte ihr Glück kaum fassen! Das ausgerechnet heute diese Tiere aus dem Zirkus ausbrechen mussten und ihre Freunde ihre bereits hunderte Bilder davon geschickt hatten! Dass sie gar nicht an diesem Zirkus vorbeigefahren war, konnten ihre Eltern ja nicht ahnen.
Und auch nicht, dass sie eigentlich beim Parken gegen einen Baum gefahren war…

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